Die Sache mit der Sicherheit

Das Coronavirus macht derzeit viele von uns unsicher. Man weiß nicht recht, wie gefährlich ist es wirklich? Wie ansteckend ist es? Wie kann man sich schützen? Kann man sich überhaupt schützen? Darf man noch verreisen? Oder ins Kino gehen? Sicherheit ist das große Thema. Kürzlich las ich dies, geschrieben von einer italienischen Dozentin für Hygiene, Prävention und Sozialmedizin an der Uni Bozen: „Die gute Nachricht vorneweg: Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit werden Sie nicht an Corona sterben. Die schlechte hinterher: Sterben werden Sie trotzdem. (…)“. Ergo: Sicherheit gibt es nicht, zumindest nicht so, wie wir sie gerne hätten. Auch im Berufsleben nicht.

Vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die sich nach einem sicheren Job sehnen und dort gut aufgehoben sind? Die am liebsten auf Nummer sicher gehen. Oder haben Sie schon mal erlebt, wie schnell sich Sicherheit in Luft auflösen kann? Vielleicht haben sie erkannt, dass Sicherheit ein Trugschluss ist und stellen sich der Unsicherheit, die nämlich durchaus Chancen eröffnen kann - wenn man sich traut.

Zur Sicherheit ein Beispiel

Einer meiner Kunden hatte es (scheinbar) geschafft. Ihm wurde ein neuer, toller Job angeboten. Und weil seine Fähigkeiten und seine Qualifikation so unglaublich passend waren und vom Unternehmen dringend gebraucht wurden, wollte sich dieses absichern und verpflichtete meinen Kunden für drei Jahre. Er hielt es für eine gute und ebenfalls sichere Sache und unterschrieb. 

Es folgte eine äußerst arbeitsintensive Zeit, man verlangte meinem Kunden viel ab und er kniete sich mit voller Energie in die Aufgaben, die teilweise völlig neu für ihn waren. Aber er war hoch motiviert und lernbereit und entwickelte sich immer weiter. Dem Unternehmen ging es gut, die Zukunft schien aussichtsreich, man plante zu expandieren. Die Baugrube für eine neue Halle wurde ausgehoben, das Gebäudefundament errichtet und dann geschah die Tragödie: Einer der beiden Geschäftsführer verunglückte tödlich. Ein Schock für die ganze Belegschaft. Von einem Moment auf den anderen geriet das ganze Unternehmen ins Wanken.
Entscheidungen konnten nicht mehr gefällt und Aufträge nicht mehr erfüllt werden, Absatzschwierigkeiten folgten. Und große Unsicherheit. Mein Coachee war einer von den 30 Mitarbeitern, die zuletzt eingestellt wurden. Binnen weniger Wochen erhielten allesamt die Kündigung. Sie wurden umgehend freigestellt, das Bauvorhaben eingestampft.

Der sicherste Weg zur Ausgeglichenheit führt über das Abenteuer

So plötzlich kann es vorbei sein mit der Sicherheit. Denn es gibt keinen Anspruch auf Sicherheit. Sicherheit ist eine Illusion und Unsicherheit das größte Abenteuer des Lebens. Sie lieben zu lernen - und für die Bewusstseins-Profis: sich sogar hinein zu schmiegen – wohlwissen, dass es immer irgendwie weitergehen wird, ungeachtet der momentanen Situationen, bringt ganz neue Möglichkeiten mit sich. Wer sich dem Fluss des Lebens anvertraut, auf den warten nicht selten wunderbare Überraschungen, die die scheinbare Sicherheit nie zugelassen hätte. 

Diese positive Haltung der Unsicherheit gegenüber ist umso einfacher, wenn man seine eigenen Fähigkeiten und Talente kennt, wenn man weiß, wem man mit seiner Leistung nützlich sein kann und was man vom (Arbeits-)Leben erwartet. Das gehört zu meinen großen und schönsten Aufgaben als Coach, mit meinen Klienten all ihre Stärken und Ziele herauszufinden, ich bezeichne das gerne als Schatzsuche.
Zurück zu meinem Coachee. Nach dem ersten Schock antwortete er auf die Frage, wie es ihm in der neuen Situation gehe: “Mir geht es wirklich unerwartet gut und ich merke gerade, dass ich die Angst vor dem Verlieren verliere!“  

Wenn auch Sie Lust auf Unsicherheit haben, wenn sie beruflich und persönlich wachsen und aus ihren Potenzialen schöpfen möchten, begleite ich Sie gerne auf dem spannenden Weg dorthin.

Herzlichst, Ihre Juliane Müller

Foto pixabay

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