Immer erreichbar zu sein, kann krank machen.

Urlaubzeit, das heißt arbeitsfrei, abschalten, ausruhen, Akkus auftanken. Zeit mit der Familie verbringen, Dinge tun, die Freude bereiten, das Selbstbewusstsein pflegen. In der Realität schaut Urlaubszeit allerdings oft ganz anders aus. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom bleiben rund 65 Prozent der Berufstätigen für ihren Chef, den Vorgesetzten oder die Kollegen erreichbar. Sie haben ihr Handy immer in Reichweite. Auf Kurznachrichten wird trotz Urlaubs reagiert.

Als Grund weshalb sie sich auch in ihrer freien Zeit um dienstliche Anliegen kümmern, gab mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) an, dass ihre Vorgesetzten dies von ihnen erwarten würden. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) denkt, sie erfüllen damit die Erwartungen ihrer Kollegen. Dabei ist man keineswegs dazu verpflichtet, da ist das Arbeitszeitgesetz ziemlich genau: An Sonn- und gesetzlichen Feiertagen gilt ein Beschäftigungsverbot.

Wer frei hat, schuldet dem Arbeitgeber keine Erreichbarkeit. Ausnahmen gelten für leitende Angestellte und Berufe, in denen die Arbeit nicht auf einen Werktag verschoben werden kann, also für Krankenhäuser, Pflege- und Rettungsdienste, Verkehrsbetriebe oder Gaststätten. Nicht mal, wer ein Diensthandy hat, muss automatisch jederzeit erreichbar sein. Ein Firmenhandy verpflichtet nicht zur Rufbereitschaft. Diese muss ausdrücklich vereinbart werden. Eine Unterbrechung des Urlaubs ist sogar nur in betrieblichen Notfällen gerechtfertigt und entsprechend zu entlohnen.

Urlaub ist wichtig. Weil ständige Erreichbarkeit krank machen kann.

MitarbeiterInnen, die immerzu verfügbar sind und nie wirkliche Ruhezeiten haben, setzen letztlich ihre Gesundheit, ihre Arbeits- und Leistungsfähigkeit auf Spiel. Die Fehleranfälligkeit steigt, die Konzentration sinkt. Die ständige Konfrontation mit der Arbeit führt zu Überbelastung, im schlimmsten Falle sogar zu Burnout und langen Ausfallzeiten. Wer im Urlaub, nach Dienstschluss, am Wochenende und an Feiertagen also richtig und konsequent abschaltet, tut das immer auch im Interesse des Unternehmens. Vor allem jüngere ArbeitnehmerInnen scheinen mittlerweile umzudenken und Wert darauf zu legen, im Urlaub und nach Dienstschluss nicht kontaktiert zu werden.

Wehret den Anfängen.

Wenn Sie immer an Feiertagen und im Urlaub erreichbar waren, wird Ihr Chef von dem Gewohnheitsrecht wahrscheinlich auch weiterhin Gebrauch machen wollen. Es ist an Ihnen, selbstbewusst eine Änderung zu verlangen. Sollte also Ihr Telefon im nächsten Urlaub klingeln, schicken Sie Ihrem Chef schöne Grüße und vereinbaren Sie zugleich einen Termin, in dem sie gemeinsam die Anrufregelungen für die Zukunft vereinbaren und festigen werden.

Herzlich, Ihre Juliane Müller

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