Rituale statt Disziplin

Wenn man beklagt zu wenig Zeit zu haben, dass einem die Zeit davonläuft und dass man nichts schafft, dann ist schnell mal vom richtigen „Zeitmanagement“ die Rede. Es impliziert die Vorstellung, Zeit organisieren zu können. Wer Willenskraft aufbringt und selbstdiszipliniert ist, nutzt Zeit optimal aus, heißt es. Aber ist das wirklich so? Kann man Zeit planen? Und ist Zeit wirklich unser wichtigster Vorrat?

Eigentlich geht es doch um unsere Energie. Sie ist die wertvollste Ressource die wir haben. Mit ihr müssen wir haushalten und dabei helfen uns nicht Disziplin, dabei helfen uns Rituale. Wo Disziplin ständige Willenskraft und bewusste Aufmerksamkeit erfordert, erlauben es uns Rituale einfach zu handeln. Rituale geben uns Kraft, weil sie uns helfen, die Ausübung bewusster Handlungen in automatische, unbewusste zu verwandeln.

Wie schafft man sich Rituale?

Legen Sie drei Dinge fest, damit aus Handlungen Rituale werden: die Zeit, den Ort und das Wie. Ich habe ein Morgenritual, eigentlich sind es zwei. Nach dem Aufstehen sind die ersten Minuten nur für mich. Es sind ganz stille Minuten in denen ich nichts mache als den Tag zu begrüßen. Und dann gehe ich flotten Schrittes ein bis eineinhalb Stunden meine Runde, bei Wind und Wetter. Ich tanke auf mit Energie und fühle mich gleichzeitig entspannt und leicht. Diese Gefühle der Stille und der Kraft begleiten mich dann durch den ganzen Tag. Rituale muss man etablieren aber nach einer Eingewöhnungsphase läuft es wie von alleine.

Der Vorteil von Ritualen

Wir müssen nicht jedes Mal nachdenken. Wenn wir das müssten, würden wir es nicht lange durchhalten, denn absichtsgesteuertes Handeln erfordert Willenskraft und die wiederum viel Energie. Ich komme aus einer Großfamilie in der jedes Kind Arbeiten übernehmen musste. Es waren immer dieselben Aufgaben zur selben Zeit. Wir fragten nicht warum, wieso, weshalb, wir machten einfach. So wie man sich in der Früh immer die Zähne putzt. Und es ging uns auch einfach von der Hand. Nur am Sonntag wurde geruht. Der Tag hatte seinen ganz bestimmten und berechenbaren Ablauf, was ich als Kind und Jugendliche noch nicht verstehen wollte. Und heute mache ich es genauso. Ich genieße die Sonntage, ruhe und träume und starte energiegeladen in die Woche.

Wenn ich mich mit meinen Coachees in anspruchsvollsten Prozessbegleitungen befinde, schauen wir zuerst, welche Rituale wir installieren können, um uns dann mit voller Energie auf die Variablen zu konzentrieren.

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